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Gebrochener Schlamm

Crash - was jetzt?

Hauptfokus:

In einem Crash brauchst du Ruhe und Erholung ohne Kompromisse. Gleichzeitig ist genau jetzt der Moment, in dem du aktiv etwas bewirken kannst – indem du dich innerlich vom körperlichen Geschehen löst und eine Haltung von Gelassenheit und Mitgefühl mit dir selbst einnimmst. 

Ein Crash geht früher oder später vorbei!

Ein paar Definitionen zur Erinnerung:

  • Baseline: Das, was du tun kannst, ohne dich danach schlechter zu fühlen. 

  • Post-Exertional Malaise (PEM): Eine leichte bis mittlere Zunahme von Symptomen nach Anstrengungen, die lediglich eine kurzfristige Anpassung des Aktivitätsniveaus erfordern. 

  • Crash: Ein mittlerer bis starker Einbruch des Energie- und Funktionsniveaus verbunden mit schweren Symptomen sowie meist einem grippeähnlichen Gefühl nach Anstrengungen, die deutlich über deine Baseline hinausgegangen sind. Manche Betroffene schildern auch das Gefühl einer "Vergiftung" im ganzen Körper. Natürlich ist auch ein Crash eine Art von PEM - ich unterscheide die Begriffe aber hinsichtlich der Schwere. 

Was kann ich tun, wenn ich einen Crash habe?

  • Ruhe bewahren. Ein Crash geht vorüber. So beängstigend es auch ist, versuche ruhig zu bleiben und nicht in Panik zu geraten - das verhindert, dass du deine limbischen Loops massiv verstärkst und die Regeneration unnötig verzögert wird. Verfalle nicht ins Grübeln, was den Crash ausgelöst haben könnte und mach dir keine Vorwürfe, dass es "schon wieder" passiert ist. Es ist wie es ist und du hast keine Wahl, als es so gut wie möglich durchzustehen. Gegen Grübeln, Gedankenspiralen und Katastrophisieren hilft dir die STOP-Technik. Versuche Beobachter statt Gefangener des Crashs zu sein. 

  • Den Crash zur Genesung nützen. Das ist die Secret Sauce der Neurowissenschaften: Ein Crash ist nicht zwingend ein Rückschritt, sondern eine Phase, in der dein Nervensystem besonders formbar ist. Versuche dazu immer wieder bewusst, emotional das Gegenteil von dem zu erzeugen, was du aufgrund der körperlichen Notlage empfindest. Statt Angst, Frustration oder Verzweiflung: Ruhe, Vertrauen und Mitgefühl mit dir selbst. Erinnere dich dazu beispielsweise bewusst an eine frühere Situation, in der du dich sicher, geborgen oder glücklich gefühlt hast, und spüre diesem Gefühl so intensiv wie möglich nach (vgl. SIFT-ing). Auf diese Weise sendest du deinem Gehirn Sicherheitssignale und unterbrichst den Kreislauf aus Angst und Symptomen.
    Du unterstützt deine langfristige Genesung optimal, wenn du in einem Crash so ruhig und gelassen wie möglich mit deinen Symptomen umgehst. Natürlich ist das nicht leicht – aber mit Übung wird es einfacher, und Crashes verlieren ihren Schrecken. Setz dich damit jedoch nicht unter Druck, sondern versuche dich diesem Ideal schrittweise anzunähern. 

  • Ernährung & Hydrierung. Unterstütze deinen Körper in der Regeneration des Crashes mit guter Ernährung, sinnvollen Nahrungsergänzungen und ausreichend Flüssigkeit. Falls Kochen zusätzliche Belastung erzeugt, hat Erholung allerdings Vorrang.

  • Erholung hat in einem Crash absolute Priorität. Dabei ist es wichtig, nicht nur den Körper, sondern auch den Geist zu beruhigen. Scheue dich nicht, "egoistisch" zu handeln und alles abzugeben, was delegierbar ist - damit du möglichst wenig selber tun resp. denken und planen musst. Wenn du keine nahen Angehörigen hast, die dich unterstützen, aber Freundinnen oder Freunde, die bereit sind zu helfen, dann lohnt es sich, im Voraus eine WhatsApp Gruppe einzurichten, die du aktivieren kannst, sobald du in einen Crash kommst.

Wie Erholung konkret aussieht, kann je nach Stufe variieren.

Vertraue deiner Intuition, was dir gut tut.

Stufe 1

Hier ist absolute Ruhe ohne äussere Reize ganz wichtig. Das heisst, im Bett liegen mit geschlossenen Augen (dunkles Zimmer, keine Stimuli) oder Schlafen so lange und so oft du das Bedürfnis dazu hast.

Wenn es geht, kannst du zwischen verschiedenen Arten von Erholung abwechseln (vgl. hier). Greife dabei auf alles zurück, was dir gut tut (Wärmeflasche, Coolpad, Gewichtsdecke, Schlafmaske, Kompressionsstrümpfe, etc.). Manchmal hilft zudem "stille Gesellschaft" gegen die drückende Einsamkeit - beispielsweise wenn jemand einfach nur bei dir ist, ohne zu sprechen.

Stufe 2

Hier kann Erholung (zumindest teilweise) auch Ablenkung bedeuten, um möglichst nicht in ängstliche Gedankenspiralen zu geraten. Wenn du es verträgst, schau z.B. leichte/lustige Filme oder Naturdokus an, höre Audiobücher oder telefoniere zwischendurch mit deinen Liebsten. Aufenthalte im Freien (Sitzen oder einige Schritte gehen) sind ebenfalls sinnvoll, ebenso wie alle Massnahmen zur Beruhigung des Nervensystems. Gewissen Betroffenen helfen auch bestimmte Therapien (Massagen, Akupunktur, o.ä.) oder Epsom Salz Bäder. Siehe auch die Tipps im Menüpunkt Erholung

Stufe 3

Hier können ergänzend Aktivitäten dazugehören, die dir Energie verschaffen, etwa ein kurzer Spaziergang, erfüllende Arbeiten mit vielen Pausen, soziale Kontakte oder ein Instrument spielen. Der Schwerpunkt liegt dennoch klar auf Erholung; alles andere bleibt behutsame Ergänzung.

Ab wann soll ich mich wieder belasten?

Die grosse Kunst des Pacings, um CFS zu überwinden, besteht darin, intuitiv zu erkennen, wann dein Körper nach einem Crash wieder bereit ist, sich vorsichtig zu belasten. Es gilt, Schritt für Schritt – oft durch Versuch und Irrtum – herauszufinden, wie lange noch die körperlichen Folgen des Crashes deine Grenzen bestimmen und ab wann vor allem die erlernte Angst vor Aktivität dich zurückhält.

Diese Unterscheidung ist entscheidend: Solange dein Körper sich in einem echten Erschöpfungszustand befindet – etwa durch Laktatüberschuss, ATP-Mangel, etc. –, braucht er Ruhe und Regeneration. Hat sich dein Körper erholt, sendet aber die Amygdala weiterhin Gefahrensignale, dann ist es vor allem das limbische Gedächtnis, das dich bremst.

In diesem Fall förderst du deine Genesung, indem du dich behutsam aber ohne Angst wieder belastest. Dein Gehirn lernt dadurch, dass Aktivität sicher ist und keine Bedrohung bedeutet – ein entscheidender Schritt, um die neuroplastisch verankerten Angst- und Schutzmuster (limbische Loops) zu durchbrechen. Gezieltes Braintraining kann diesen Prozess zusätzlich unterstützen, indem es Sicherheit und Vertrauen auf neuronaler Ebene stärkt.

Nachfolgend der Versuch eines konkreten Algorithmus für den Wiedereinstieg - nimm ihn als Richtlinie, nicht als starre Regel:

Schritt 1

Ist die Crash-Signatur weg (spezifische, schwere Crash-Symptome)?

→ Ja → Schritt 2

→ Nein → echte Ruhe

 

Schritt 2

Fühlst du dich körperlich neutral (nicht gut, aber stabil)?

→ Ja → Schritt 3

→ Nein → 12–24h warten

 

Schritt 3

Wie reagiert dein Nervensystem auf den Gedanken an Bewegung?

→ Neutral oder leicht positiv → Schritt 4

→ Angst/Enge → 2–3 Minuten Atemtechnik / Braintraining → Schritt 3 oder 12-24h warten

 

Schritt 4

Mini-Test (1–2 Minuten sehr leicht):

→ Zustand bleibt stabil → leichte Aktivität wieder möglich (Bleibe noch deutlich unter der letzten Baseline)

→ Symptome steigen sofort → 24h warten + ANS-Regulation/Braintraining

Nach dem Crash...

solltest du ehrlich überprüfen, ob Crashes in der Vergangenheit öfter vorgekommen sind oder länger gedauert haben. Dies wäre ein klares Zeichen, dass deine Aktivitäten zu weit über deiner Baseline liegen und du weniger tun solltest, weil du sonst in Push-Crash-Zyklen landest, die du vermeiden willst.

 

Werden die Crashes hingegen seltener oder dauern kürzer, ist dies ein Zeichen, dass du Fortschritte in deiner Genesung machst und auf dem richtigen Weg bist. 

​​

War der Crash die klare Folge einer Expansion deiner Baseline, dann geh zuerst zurück zur letzten stabilen Baseline und steigere dich vorsichtiger.

Weiterführende Links & Quellen

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