
Somatic Tracking
Hauptfokus:
Wenn du Symptome bemerkst, kann es hilfreich sein, dich für ein paar Minuten hinzulegen und deine Aufmerksamkeit ganz ruhig und ohne Angst darauf zu richten. Beobachte einfach, was geschieht – ohne etwas verändern zu wollen.
Das Ziel dieser Übung ist nicht, dass die Symptome sofort verschwinden, sondern dass dein Gehirn lernt, sie nicht länger als Gefahr wahrzunehmen.
Symptome beobachten, ohne sie zu bewerten, reduziert den Alarm.
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Was ist Somatic Tracking?
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Somatic Tracking bedeutet, Körperempfindungen bewusst wahrzunehmen – nicht, um sie zu analysieren oder loszuwerden, sondern um sie mit Sicherheit zu verbinden. Tue dies nicht, wenn deine Symptome sehr stark sind.
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Bei dieser Form achtsamer Körperwahrnehmung lernst du, Symptome oder Spannungen mit Interesse und Ruhe zu beobachten, anstatt dich dagegen zu wehren.
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Bei CFS ist das Nervensystem oft überaktiv: Das Gehirn interpretiert selbst harmlose Signale als Gefahr. Wenn du lernst, Empfindungen einfach nur zu spüren, ohne sie zu bewerten, sendest du deinem limbischen System eine neue Botschaft: "Ich bin sicher – auch wenn etwas Unangenehmes da ist."
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So beruhigt sich das Nervensystem schrittweise, und das Gehirn kann alte, angstbesetzte Muster (limbische Loops) umprogrammieren.
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Anleitung Schritt für Schritt
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1. Ruhe finden
Setze oder lege dich bequem hin.
Nimm ein paar Atemzüge und spüre, wie du getragen wirst.
Es gibt jetzt nichts zu tun – nur zu beobachten.
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2. Eine Empfindung resp. Symptom wählen
Richte deine Aufmerksamkeit auf eine Körperstelle, die du gerade deutlich spürst.
Das kann ein Druckgefühl, Ziehen, Pulsieren oder Kribbeln sein.
Wähle etwas, das spürbar, aber nicht überwältigend ist.
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3. Wahrnehmen statt analysieren
Beobachte, wie sich die Empfindung anfühlt.
Hat sie eine Form, eine Bewegung, eine Temperatur?
Verändert sie sich mit der Zeit?
Bleibe neugierig, ohne zu bewerten oder zu interpretieren.
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4. Mit Freundlichkeit dabeibleiben
Wenn Gedanken auftauchen wie "Das ist unangenehm" oder "Das muss weg",
erkenne sie als Gedanken – und kehre ruhig zur Empfindung zurück.
Erinnere dich: Du musst nichts kontrollieren.
Dein Körper darf einfach so sein, wie er gerade ist.
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5. Sicherheit spüren
Erlaube dir, die Empfindung mit Gelassenheit zu fühlen.
Wenn du merkst, dass du sie aushalten kannst,
lernt dein Gehirn: "Diese Empfindung ist nicht gefährlich."
Das verändert die neuronalen Muster – weg von Angst, hin zu Ruhe.
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​Bei Insight Timer gibt es angeleitete Hörbeispiele und sogar einen Kurs von Miriam Amavi zu Somatic Tracking.
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Hier gibt es ebenfalls sehr hilfreiche geführte Sessions (teilweise spezifisch für CFS).
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Warum das hilft
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Durch Somatic Tracking vermittelst du deinem Gehirn Sicherheit trotz Symptomen. Dein Nervensystem erfährt, dass körperliche Signale und Symptome keine Bedrohung sind – und reduziert dadurch automatische Alarmreaktionen.
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Beim Somatic Tracking geht es darum, Körperempfindungen bewusst und ohne Bewertung wahrzunehmen. Um zu verstehen, warum das hilfreich ist, lohnt sich auch ein Blick auf folgende zwei Begriffe: interozeptive Sensibilität bezeichnet, wie intensiv du Körpersignale wahrnimmst – bei CFS ist diese oft erhöht. Interozeptive Genauigkeit hingegen beschreibt, wie präzise du diese Signale interpretierst – diese ist häufig vermindert. Das Ergebnis: Du spürst viel, verstehst aber wenig davon, was zu Fehlinterpretationen und verstärkter Alarmbereitschaft führt. Somatic Tracking trainiert genau diese Genauigkeit: Indem du Empfindungen neutral beobachtest, lernst du, sie differenzierter einzuordnen – ohne dass jedes Signal automatisch als Gefahr gewertet wird.
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Diese sanfte Übung ist damit ein zentrales Werkzeug, um dein Gehirn und deinen Körper wieder miteinander zu "versöhnen".
