
Umgang mit Schmerzen
Leiden entsteht nicht nur durch den Schmerz an sich, sondern auch durch Widerstand, Anspannung und Angst vor ihm. Es ist wie bei den anderen Symptomen auch: Entscheidend ist, wie wir auf Schmerzen reagieren.
Jeder Schmerz entsteht im Gehirn.
Schmerzreize werden an speziellen Sensoren (Nozizeptoren) in Haut, Muskeln oder Organen registriert und als elektrische Impulse über das Rückenmark ans Gehirn weitergeleitet. Dort entsteht das bewusste Schmerzerleben – eine Mischung aus körperlicher Wahrnehmung, gedanklicher Bewertung und emotionaler Bedeutung. Das Gehirn entscheidet massgeblich, wie stark wir einen Schmerz empfinden. Deshalb kann derselbe Reiz an einem Tag kaum spürbar, an einem anderen aber sehr schmerzhaft sein.
Bei CFS befindet sich das Gehirn in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft. Es reagiert dann verstärkt auf Reize, die normalerweise nicht oder nur schwach schmerzhaft wären. Diese Schmerzen sind real und nicht eingebildet, werden aber vom Gehirn "falsch" verarbeitet. Die Wissenschaft nennt das zentrale Sensibilisierung (engl. central sensitization). Es ist deshalb kein Zufall, dass chronische Schmerzsyndrome wie Fibromyalgie häufig gemeinsam mit CFS auftreten.
Wie gehe ich mit Schmerzen um?
Neu auftretende oder sehr starke Schmerzen sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Wenn keine körperliche Ursache gefunden wird, kannst du mit diesen Schmerzen genauso umgehen wie mit anderen CFS-Symptomen auch. Besonders wichtig sind drei Faktoren:
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Erwartung: Je stärker du Schmerz erwartest, desto intensiver erlebst du ihn. Angst und Anspannung erhöhen die Empfindlichkeit des Nervensystems.
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Aufmerksamkeit: Dauerhafte Fixierung auf Schmerz verstärkt die Aktivität der Schmerznetzwerke – gezielte Ablenkung oder Achtsamkeitstraining können sie dämpfen.
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Bedeutung: Wie du Schmerz interpretierst, beeinflusst seine Intensität. Wer ihn als Bedrohung erlebt, empfindet ihn stärker. Wer ihn dagegen als neutrales Signal oder als Training für das Nervensystem versteht, kann ihn milder wahrnehmen.
Chronische Schmerzen bei CFS sind meist kein Zeichen einer Gewebeschädigung, sondern Ausdruck einer veränderten Reizverarbeitung im Gehirn. Wenn man versteht, dass nichts "kaputt" ist, verliert der Schmerz seinen Schrecken – und genau das verändert die Schmerzerfahrung. Das Nervensystem kann sich beruhigen, und die Wahrnehmung normalisiert sich Schritt für Schritt.
Details zum Umgang mit chronischen Schmerzen findest du auf dieser Website zur Pain Reprocessing Therapy.
Weiterführende Links & Quellen
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Wege aus dem Schmerz, Alan Gordon, Unimedica
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Pain Free You - Teach your brain to end your pain, Dan Buglio, via Amazon
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Zur Behandlung von neuroplastischen Schmerzen: www.chronischbesser.ch/pain-reprocessing-therapy
