
Prophylaxe
Hauptfokus:
Ausreichend Erholung und nicht zu früh versuchen, das gewohnte Belastungsniveau zu erreichen kann nach Virusinfektionen oder anderen starken Belastungen wahrscheinlich helfen, eine Chronifizierung zu verhindern.
Früh reagieren – bevor CFS sich etablieren kann
CFS entsteht meist nicht "aus dem Nichts", sondern nach einer Phase erhöhter Belastung – am häufigsten im Anschluss an eine Virusinfektion. Dabei ist wichtig: Nicht jede Infektion führt zu einem chronischen Verlauf, auch nicht bei Erregern mit erhöhtem Risiko. Bestimmte Viren – etwa SARS-CoV-2 – scheinen häufiger postinfektiöse Verläufe auszulösen als klassische Influenzaviren. Grundsätzlich kann eine anhaltende Fehlregulation jedoch nach vielen Arten von Belastungen oder Infekten auftreten. Zum Glück ist das selten.
Entscheidend ist, wie man sich in den Wochen nach einer Infektion verhält.
Warnzeichen ernst nehmen
Typische frühe Zeichen sind:
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Die akuten Symptome (Fieber, Halsschmerzen etc.) sind abgeklungen, aber die Energie kehrt nicht zurück.
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Man fühlt sich ungewöhnlich erschöpft – anders als bei früheren Infekten.
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Symptome verschlechtern sich zeitverzögert, ein bis zwei Tage nach Belastung.
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Man merkt: "Eigentlich sollte es schon wieder gehen, aber ich kann einfach nicht, obwohl ich gerne möchte."
Gerade diese Phase ist sensibel. Viele versuchen hier, möglichst rasch wieder zur gewohnten Belastung zurückzukehren und merken dann, dass es nicht funktioniert. Dann wird es immer wieder erneut probiert. Genau daraus kann sich ein erstes Push-Crash-Muster entwickeln und die Situation kumulativ verschlechtern.
Das zentrale Prinzip: bewusst unter der Grenze bleiben
Wenn die akute Infektion abgeheilt ist, die Erschöpfung aber bestehen bleibt, lohnt es sich, für einige Wochen vorsichtig zu sein:
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Belastung nicht sofort auf das frühere Niveau steigern
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nicht "an die Grenze gehen", auch wenn der Wille da ist, sondern bewusst etwas unter der vermuteten Belastbarkeit bleiben
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die Entwicklung über mehrere Tage oder Wochen beobachten
Es geht nicht darum, sich monatelang zu schonen. Aber in dieser Übergangsphase kann Zurückhaltung nach aktuellem Wissensstand entscheidend sein. Gerade virale Erkrankungen brauchen manchmal länger, bis die volle Leistungsfähigkeit zurückkehrt – auch wenn medizinisch "alles vorbei" scheint. Wer in dieser Zeit mit Geduld reagiert, reduziert nach bisheriger Erfahrung und ersten wissenschaftlichen Hinweisen das Risiko, dass sich ein chronischer Verlauf etabliert. Die Forschung zu gezielter Prävention läuft noch, aber die Empfehlung zur Vorsicht ist breit abgestützt.
Frühzeitig ärztlich abklären lassen
Bei anhaltender starker Erschöpfung, fehlender Besserung über mehrere Wochen oder neuen Warnzeichen (Brustschmerz, Luftnot, Herzrasen, Schwindel mit Beinahe‑Ohnmacht, neu aufgetretene neurologische Symptome) sollte unbedingt eine ärztliche Abklärung erfolgen. So lassen sich Komplikationen (z.B. Herz‑ oder Lungenprobleme, ausgeprägte Blutarmut) von einer verzögerten, aber "normalen" Erholung unterscheiden.
Erholung ist aktive Prävention
Erholung bedeutet dabei nicht völlige Passivität, sondern kluge Steuerung:
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ausreichend und regelmässiger Schlaf
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reduzierte kognitive und emotionale Belastung
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keine ständigen physischen Belastungstests
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keine "Aufholaktionen" in guten Momenten, sondern klare Prioritäten setzen
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Aktivitäten nur langsam steigern und körperliche Reaktionen in den Folgetagen gut beobachten
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Bewusst viele Pausen einplanen
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Unterstützung und Entlastung organisieren
Gerade wenn sich Symptome zeitverzögert verschlechtern, ist das ein klares Signal, dass noch keine vollständige Erholung und Regulation stattgefunden hat. Je früher diese Warnzeichen erkannt und respektiert werden, desto grösser ist die Chance, dass sich kein chronischer Verlauf etabliert.
Flüssigkeit, Ernährung und Kreislauf beachten
Ausreichend zu trinken und regelmässig leichte Mahlzeiten zu sich zu nehmen, entlastet Kreislauf und Stoffwechsel. Treten Schwindel im Stehen, Herzrasen oder Benommenheit auf, können langsames Aufstehen, vermehrte Flüssigkeitszufuhr und – sofern medizinisch nichts dagegen spricht – etwas mehr Salz sowie Kompressionsstrümpfe weitere erste einfache Massnahmen sein.
