
Ernährung
Hauptfokus:
Eine ideale Ernährung bei CFS bedeutet vor allem eine möglichst unverarbeitete, entzündungsarme Kost, die den Blutzucker stabil hält – alles Weitere bleibt individuell.
Ernährung soll für dich auf keinen Fall zusätzlichen Stress bedeuten!
Die eine richtige Ernährung für alle Menschen gibt es nicht!
Ernährung ist wissenschaftlich immer noch wenig verstanden aber gleichzeitig ideologisch stark aufgeladen. Deshalb lohnt es sich, das Thema mit einer gewissen Gelassenheit anzugehen, um nicht mehr Schaden als Nutzen anzurichten. Mit Bezug auf CFS gibt es grundsätzlich zwei Dinge, die man berücksichtigen kann, ohne sie aber dogmatisch zu nehmen.
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Vermeide starke Blutzuckerschwankungen.
Diesbezüglich helfen ballaststoffreiche Kohlenhydrate, ausreichend Eiweiss und Fett im Mahlzeitenmix, nicht zu grosse Portionen und regelmässige Essenszeiten. Zudem sind Nahrungsmittel mit einem niedrigen glykämischen Index GI sinnvoll. Die glykämische Last der gesamten Mahlzeit ist allerdings entscheidender als der GI einzelner Lebensmittel.
Der Grund, wieso du starke Blutzuckerschwankungen vermeiden solltest, liegt in den damit verbundenen raschen Glukoseabfällen im Blut. Diese aktivieren eine konterregulatorische Antwort (zuerst Adrenalin/Glukagon, Cortisol verzögert), was zusätzliche Stresssignale setzt und den bei CFS bereits dysregulierten Hormonhaushalt weiter stört. Zudem aktiviert diese hormonelle Gegenregulation das sympathische Nervensystem (Fight/Flight Modus).
Nicht alle Menschen reagieren auf die gleichen Lebensmittel mit dem gleichen Blutzuckeranstieg. Zudem haben nicht nur die Nahrungsmittel, sondern auch das Stresslevel, die körperliche Bewegung und der Schlaf einen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel. Deshalb kann es sinnvoll sein, seinen persönlichen Verlauf einmal zu tracken.
Deinen Blutzuckerspiegel kannst du beispielsweise mit dem Abbott Freestyle Libre 3 während 15 Tagen tracken und evtl. mit fachlicher Unterstützung interpretieren. Achte besonders darauf, wann dein Blutzucker stark ansteigt und wieder abfällt.
Ebenfalls hilfreich sein kann Lumen – ein Gerät, das über die Atemluft misst, ob dein Körper gerade eher Zucker oder Fett verbrennt. Dies kann Hinweise zu deiner metabolischen Flexibilität geben – also die Fähigkeit deines Stoffwechsels, effizient zwischen beiden Energiequellen zu wechseln. Es kann ausserdem helfen abzuschätzen, ob du grundsätzlich Experimente mit einer Low‑Carb‑Ernährung in Erwägung ziehen möchtest (vgl. unten), sollte aber nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage dienen. Wenn du über längere Zeit überwiegend im Zuckerstoffwechsel bist, solltest du eine Low‑Carb‑Ernährung nur sehr vorsichtig und schrittweise ausprobieren, weil dir eine abrupte Umstellung sonst im wahrsten Sinne des Wortes „den Stecker ziehen“ und deine Symptome verschlechtern könnte.
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Iss eine antientzündliche Ernährung.
Eine antientzündliche Ernährung kann Entzündungsprozesse reduzieren und das Immunsystem im Gleichgewicht halten. Sie basiert auf frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln, viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und gesunden Fetten wie Olivenöl oder Omega-3-reichen Fischen. Zucker, stark verarbeitete Produkte, Weissmehl, Wurst und frittierte Speisen solltest du möglichst meiden.
Entscheidend ist zudem eine ausreichende Zufuhr von marinen Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA). Sinnvoll sind ca. 1 g EPA + DHA täglich, z. B. durch 2 Portionen fetten Fisch/Woche (Lachs, Makrele, Hering) oder ein hochreines Fisch- oder Algenölpräparat mit geprüfter Schadstofffreiheit.
WICHTIG: Um Entzündungen zu reduzieren, ist die Reduktion von Übergewicht und insbesondere die Reduktion von viszeralem Fett wichtiger als einzelne Lebensmittel. Ob dies aber in deinem Fall möglich ist, muss individuell entschieden werden.
Wenn du beim Thema Ernährung noch weiter gehen willst, kannst du die folgenden Ernährungsweisen auf mögliche positive Effekte bei dir testen. Es ist durchaus möglich, dass diese bei dir gar nicht oder erst zu einem späteren Zeitpunkt deiner Genesung funktionieren. Da dein System ohnehin bereits geschwächt ist, empfiehlt es sich, keine extremen Ernährungsumstellungen zu machen, sondern behutsam vorzugehen und gut auf den eigenen Körper zu hören.
Weiterführende Links & Quellen
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Outlive, Dr. Peter Attia, ullstein extra (S. 391 - 470)
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Der Ernährungskompass - das Fazit aller wissenschaftlichen Studien zum Thema Ernährung, Bas Kast, C. Bertelsmann
